{"id":8519,"date":"2016-03-04T09:14:47","date_gmt":"2016-03-04T08:14:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aegis.at\/wordpress\/?p=8519"},"modified":"2016-03-04T11:21:59","modified_gmt":"2016-03-04T10:21:59","slug":"entflechtung-der-virusbegriffe-1-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aegis.at\/wordpress\/entflechtung-der-virusbegriffe-1-teil\/","title":{"rendered":"Entflechtung der Virusbegriffe 1. Teil"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die notwendige Entflechtung der Virusbegriffe<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Masernvirus ist tot!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Menschen versteht unter einem Virus ein zirkulierendes Wesen, das von au\u00dfen in unsern K\u00f6rper eindringt und Krankheiten erzeugt. Sie verstehen unter Viren bestimmte <strong>feindliche Lebewesen<\/strong>, die sich teilweise in der Luft, im Wasser oder eben in kranken Lebewesen aufhalten.\u2028In den letzten Jahren werden die Menschen immer h\u00e4ufiger \u00fcber neue Krankheiten informiert, von denen sie nie zuvor geh\u00f6rt hatten. Vogelgrippe, Schweinegrippe, Ebola-Seuche etc. Und alle diese Krankheiten haben als einzige Ursache, das namengleiche Virus, also Schweinegrippe-Virus, Vogelgrippe-Virus oder das Ebola-Virus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Menschen, die sich mit der Erforschung und dem Nachweis der Viren besch\u00e4ftigen. hei\u00dfen Virologen. Sie arbeiten mit Mikroskopen, Computern und Laborger\u00e4ten aber nicht am Krankenbett.\u2028Die letzteren sehen in Mikroskopen und Computern verschiedenste Gebilde, die Viren genannt werden. Sie wissen aber, dass diese Dinge <strong>keine Lebewesen <\/strong>sind. Sie erforschen Teile der Zellen, so genannte Zellorganellen. Es handelt sich dabei um verschiedene Eiwei\u00dfk\u00f6rper. \u00dcber ihre Funktion und ihren Mechanismus sind sich die Wissenschaftler noch lange nicht einig. Die Erforschung dieser Bestandteile der Zellen hat erst richtig begonnen, seitdem diese Zellpartikeln 1940 im Elektronenmikroskop sichtbar geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben es also mit zwei ganz verschiedenen Dingen zu tun.\u2028Das eine ist ein imagin\u00e4res Lebewesen, das ein Feind der gesunden Lebewesen ist, das <strong>historische Virus<\/strong>. Das andere ist ein Ding, das gerade intensiv erforscht wird, das ist das <strong>molekularbiologische Virus<\/strong>. Unter den Molekularbiologen, &#8211; sie sind auch Virologen -, gibt es unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die biologische Bedeutung der Viren. Da gibt es eine Richtung, die die historische Meinung vertritt, dass es sich dabei um Aggressoren handelt, die <strong>von au\u00dfen in den Organismus <\/strong>hineingeraten und sich nun im K\u00f6rper vermehren und ihn krankmachen.\u2028Es gibt aber auch die Meinung, dass Viren in jeder Zelle vorhanden sind und je nach aktuellem Gesundheitszustand oder Erkrankung einmal mehr oder weniger gebildet werden. Diese Sicht beginnt sich zunehmend durchzusetzen. Die Vertreter dieser Meinung sehen also Viren <strong>nicht als von au\u00dfen eindringende Invasoren <\/strong>sondern als <strong>k\u00f6rpereigene Zellelemente<\/strong>, die im Falle der Krankheit immunologische Aufgaben erf\u00fcllen. Ob Viren \u00fcberhaupt eigene Entit\u00e4ten oder eben nur Bausteine der Zellen sind, ist eben noch Objekt der Forschung. Die Definitionen dieser Objekte sind st\u00e4ndig im Wandel. Methoden der Identifizierung und auch deren Nachweismethoden sind noch laufend in Entwicklung. Viren exakt zu definieren und sie pr\u00e4zise und unzweifelhaft nachzuweisen, ist zurzeit noch nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Woher kommt der Begriff Virus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon beim antiken r\u00f6mischen Arzt <em>Aulus Cornelius Celsius <\/em>findet sich der Begriff Virus. Es ist das lateinische Wort f\u00fcr Gift. Dass Krankheiten und Tod die Folge von Vergiftung sein k\u00f6nnen, war schon immer bekannt. F\u00fcr Krankheiten, f\u00fcr welche die Menschen keine Erkl\u00e4rung fanden, wurde dieser Begriff \u00fcbernommen. Ein Virus, ein unbekanntes, nicht erkennbares Gift gilt bis zum heutigen Tag als <strong>die <\/strong>Ursache vieler Krankheiten. So findet sich in den \u00e4lteren Lehrb\u00fcchern das <em>Malaria-Virus<\/em>, das <em>Scharlach-Virus <\/em>oder das <em>Masern-Virus<\/em>. Die Ursache f\u00fcr Malaria sieht die moderne Medizin nicht in einem Virus, sondern in einem Protozoon, namens <em>Plasmodium malariae<\/em>, und in den Erregern der Scharlachkrankheit Bakterien, <em>Beta-h\u00e4molysierende Streptokokken<\/em>. Nur bei Masern ist man beim Masernvirus als ausschlie\u00dflichen Erreger geblieben. Wenn bei bestimmten Krankheiten keine Bakterien zu finden sind, dann spricht man heute allgemein von einer Viruskrankheit. Der bedeutende Hygieniker der Universit\u00e4t Rostock <em>Professor Werner Kollath <\/em>erw\u00e4hnt noch 1937 in seinem Lehrbuch der Hygiene das <em>Virus invisibile<\/em>. Wann immer ein neues Krankheitsbild beschrieben wird, gilt f\u00fcrs erste ein Virus als Ursache, z.B. Ebola-Virus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kam es zum Feindbild des heutigen Virusbegriffes?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im 18. Jahrhundert begann der Aufschwung der Naturwissenschaften. Mit Hilfe der Lupe und bald sp\u00e4ter mit Hilfe des Lichtmikroskops wurden Parasiten und Bakterien beschrieben und identifiziert.\u2028Parasiten sind hoch entwickelte ausgereifte Lebewesen, die auf anderen Organismen leben. Parasiten, wie W\u00fcrmer, Trichinen etc. konnte man mit freiem Auge sehen und mit Hilfe der Lupe noch besser erforschen. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten <em>Robert Koch <\/em>und <em>Louis Pasteur <\/em>mit Hilfe des Lichtmikroskops bis dahin nie gesehene kugel- und st\u00e4bchenf\u00f6rmige Gebilde, Kokken und Bazillen, die dann Bakterien (Coccus lat. Korn, bacillus lat. St\u00e4bchen) genannt wurden. Diese beiden Wissenschaftler meinten, dass diese neu entdeckten Gebilde von au\u00dfen eingedrungen w\u00e4ren und \u00e4hnlich den Parasiten Krankheiten verursachen. Dies ist die so genannte Keimtheorie. Andere Wissenschaftler widersprachen dieser Meinung, wie z.B. <em>Claude Bernard, <\/em>von dem das Zitat stammt: \u201eDer Keim ist nichts, das Milieu ist alles\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch setzte sich die Keimtheorie durch, nach welcher Bakterien feindliche Invasoren von au\u00dfen und die einzigen Ursachen von Krankheiten sind. Unterern\u00e4hrung, z.B. bei Masern Mangel an Vitamin A, Unterk\u00fchlungen, Schlafmangel, verschmutztes Trinkwasser etc. sind demnach keine Krankheitsursachen. Nein, nur die b\u00f6sen Keime sind es.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Theodor Billroth, <\/em>der Begr\u00fcnder der modernen Bauchchirurgie war hingegen der \u00dcberzeugung, dass Bakterien im Organismus selbst gebildet werden.\u2028Auf der Basis der Keimtheorie begr\u00fcndete <em>Paul Ehrlich<\/em>, ein Sch\u00fcler von <em>Robert Koch <\/em>die Chemotherapie mit dem Illusion\u00e4ren Satz \u201ewir m\u00fcssen chemisch zielen lernen\u201c.\u2028Heute beginnen immer mehr Molekularbiologen, Bakterien als Symbionten (unsch\u00e4dliche Mitbewohner der Gewebe), ja sogar als die essentiellen Bausteine der Zellen zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon <em>L. Pasteur <\/em>war aufgefallen, dass Bakterien je nach S\u00e4uregrad des Mediums ihre Form \u00e4ndern. Bakterien sind demnach keine hoch entwickelten, ausgereiften Organismen wie Parasiten, die aus Milliarden von Zellen aufgebaut sind, sondern sie sind Einzeller, die sich in verschiedene Richtungen hin \u00e4ndern und entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem f\u00fcr etliche fieberhafte Erkrankungen, wie Masern, Mumps, oder Grippe im Mikroskop keine Bakterien gefunden wurden, vermuteten die Anh\u00e4nger der Keimtheorie, dass es noch viel kleinere Bakterien geben m\u00fcsse. Sie sprachen daher von unsichtbaren Viren.\u2028Mit der Erfindung der Elektronenmikroskopie wurden in der Zelle Strukturen entdeckt, von denen bisher nichts bekannt war. In diesen neu entdeckten Zellpartikeln meinten einige Wissenschaftler, die l\u00e4ngst gesuchten kleinen Bakterien, die Viren gefunden zu haben. Bei bestimmten fieberhaften Krankheiten hatten sie beobachtet, dass die Zahl dieser Zellorganellen angestiegen war.\u2028Jetzt war also das so lange gesuchte Virus gefunden? Meinte nicht auch Kolumbus, als er im sp\u00e4ter benannten Amerika gelandet war, Westindien entdeckt zu haben? Er hatte also etwas gefunden. Es war aber nicht das, was er gesucht hatte. Es wurden mit Hilfe der modernen Technik neue, biologische Strukturen gefunden. Es waren aber nicht die kleinen Bakterien, die vermeintlichen Viren, nach denen gesucht wurde. Dennoch wurden sie Viren genannt. Inzwischen stellt sich heraus, dass Viren vor allem <strong>keine selbst\u00e4ndigen Lebewesen <\/strong>sind, dass sie sich nicht selbst vermehren k\u00f6nnen und keinen eigenen Energiestoffwechsel haben. W\u00e4hrend Bakterien Einzeller sind, sind Viren nur Teile von Zellen. Die urspr\u00fcngliche Vorstellung, Viren seien besonders kleine und b\u00f6sartige Parasiten, ist \u00fcberholt. Viren sind nach heutigem Wissen k\u00f6rpereigene Bestandteile der Zellen, sie sind Eiwei\u00dfk\u00f6rper und sie sind am Aufbau von Zellen beteiligt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dr. Johann Loibner<br \/>\nArzt f\u00fcr Allgemeinmedizin<br \/>\n5. 11. 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die notwendige Entflechtung der Virusbegriffe Das Masernvirus ist tot! Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Menschen versteht unter einem Virus ein zirkulierendes Wesen, das von au\u00dfen in unsern K\u00f6rper eindringt und Krankheiten erzeugt. Sie verstehen unter Viren bestimmte feindliche Lebewesen, die sich teilweise in der Luft, im Wasser oder eben in kranken Lebewesen aufhalten.\u2028In den letzten Jahren werden die Menschen immer h\u00e4ufiger \u00fcber neue Krankheiten informiert, von denen sie nie zuvor geh\u00f6rt hatten. Vogelgrippe, Schweinegrippe, Ebola-Seuche etc. Und alle diese Krankheiten haben als einzige Ursache, das namengleiche Virus, also Schweinegrippe-Virus, Vogelgrippe-Virus oder das Ebola-Virus. Menschen, die sich mit der Erforschung und dem Nachweis der Viren besch\u00e4ftigen. hei\u00dfen Virologen. Sie arbeiten mit Mikroskopen, Computern und Laborger\u00e4ten aber nicht am Krankenbett.\u2028Die letzteren sehen in Mikroskopen und Computern verschiedenste Gebilde, die Viren genannt werden. Sie wissen aber, dass diese Dinge keine Lebewesen sind. Sie erforschen Teile der Zellen, so genannte Zellorganellen. Es handelt sich dabei um verschiedene Eiwei\u00dfk\u00f6rper. \u00dcber ihre Funktion und ihren Mechanismus sind sich die Wissenschaftler noch lange nicht einig. Die Erforschung dieser Bestandteile der Zellen hat erst richtig begonnen, seitdem diese Zellpartikeln 1940 im Elektronenmikroskop sichtbar geworden sind. Wir haben es also mit zwei ganz verschiedenen Dingen zu tun.\u2028Das eine ist ein imagin\u00e4res Lebewesen, das ein Feind der gesunden Lebewesen ist, das historische Virus. Das andere ist ein Ding, das gerade intensiv erforscht wird, das ist das molekularbiologische Virus. Unter den Molekularbiologen, &#8211; sie sind auch Virologen -, gibt es unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die biologische Bedeutung der Viren. 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